Phonetische Entwicklung:

Phon – Die kleinste wahrnehmbare Einheit unserer Sprache:

Ein Kind muss lernen, welche Laute von all denen, die es produzieren kann, seiner Muttersprache angehören (=Phoninventar) und wie diese korrekt gebildet werden. Phone unterscheiden sich u.a. durch ihren Artikulationsort (z.Bsp.: zwischen den Lippen, an den Zähnen, am Gaumen etc.), die Artikulationart (Verschlusslaute, Reibelaute, Nasallaute), die Stimmbeteiligung, den Öffnungsgrad des Mundes usw.
Da unsere Sprechlaute in ihrer Realisierung unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweisen (z. Bsp. spezielle Luftstromdosierung, exakte Feinspannung, präziser Einsatz der Sprechorgane), werden diese erst nach und nach, parallel zur fortschreitenden Entwicklung der Sprechorgane, erworben.

Entwicklungsphasen:

Während der ersten Lallphase (2-4 Monate) experimentiert das Kind unkontrolliert mit seinen Sprechwerkzeugen und der Fähigkeit, Laute zu bilden. Es produziert dabei sogar Laute, die nicht zu seiner eigenen Muttersprache gehören.

Mit Beginn der zweiten Lallphase (6 Monate) nähert es sich immer mehr dem eigenen Lautinventar an. Da sich nun die Sprechorgane sowie Kehlkopf und Mundhöhle in Größe, Lage und Funktionalität extrem verändern, wird die Lautproduktion zielgerichteter. Es kommt zu willentlichem Plappern, was sich durch Wiederholungen von Lautfolgen auszeichnet.

Der eigentliche Lauterwerb beginnt im Alter von ca. einem Jahr. Ein Laut gilt phonetisch als erworben, wenn er willentlich und artikulatorisch korrekt gebildet werden kann.
Selbstlaute (=Vokale) werden bereits sehr früh beherrscht, bei den Mitlauten (=Konsonanten) sind es zunächst die labialen (Lippen-) Laute [m], [b], [p]. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres kann ein Kleinkind dann in der Regel auch die alveolaren (am Zahndamm gebildeten) Laute [d], [t], [n], [l] korrekt bilden. Bis zum Alter von zweieinhalb Jahren kommen dann die labiodentalen (mit Zähnen und Lippen gebildeten) Laute [f], [v], [pf] dazu und bis zum Ende des 3. Lebensjahres folgen die Velare und Palatale (Gaumen-/Rachenlaute) [g], [k], [j],r, ng und ch sowie der Kehlkopflaut [h].

Im Alter von 3 Jahren hat ein Kind also normalerweise alle Phone außer den Zischlauten sch, [s], [z], [ts] erworben (wobei dies vielen Kindern durchaus auch bereits früher gelingt). Diese sind in ihrer phonetischen Realisierung besonders anspruchsvoll, werden aber spätestens bis zum 6. Lebensjahr ebenfalls erworben.

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