Auditive Wahrnehmung und ihre Bedeutung für den Spracherwerb:

Auditive Wahrnehmung ist nicht das Hören an sich, sondern die Erfassung, Weiterleitung, Verarbeitung und Bewertung des Gehörten durch das Gehirn.

Das Gehör nimmt Schallwellen auf, die dann im Gehirn weiterverarbeitet werden. Dazu gehört es, das Signal zu erkennen, seine Art und Herkunft zu bestimmen, Richtung und Abstand zu lokalisieren, Frequenz und Lautstärke zu identifizieren, komplexe Höreindrücke in einzelne Einheiten aufzuspalten und dabei auch die Reihenfolge zu beachten. Somit ist die auditive Wahrnehmung ein sehr komplexer Aufgabenbereich, der sich in eine Vielzahl wichtiger Funktionen aufteilt.

Die Entwicklung des Hörorgans beginnt schon früh in der pränatalen Phase (3.SSW). Es wird vermutet, dass bereits der Fötus die ersten prosodischen Spracherfahrungen sammelt. Damit ist die melodische Gliederung von Sprache gemeint: Stimmklang, Tonhöhe, Dauer, Rhythmus, Betonungsmuster etc. Inzwischen konnte nachgewiesen werden, dass diese frühe Fähigkeit eine entscheidende Rolle im Spracherwerb spielt.

  • Schon kurz nach der Geburt ist ein Säugling in der Lage, die mütterliche Stimme wieder zu erkennen und zeigt eine eindeutige Präferenz für den Klang der eigenen Muttersprache.
  • Bis zum 3. Monat lernt er auf Schallquellen anzusprechen, er wendet sich dem Sprecher zu. Es kommt zu regelrechten Dialogen zwischen Mutter und Kind: abwechselndes Zuhören, Blickkontakt, Nachahmungen etc.
  • Bereits in den ersten Lebensmonaten ist der Säugling in der Lage, Laute akustisch voneinander zu unterscheiden.
  • Die Sensibilität für bestimmte Betonungsmuster ihrer Umgebungssprache ermöglicht Säuglingen ab ca. 6 Monaten, Wortgrenzen in dem kontinuierlichen Lautstrom wahrzunehmen und den isolierten Einheiten nach und nach Bedeutung zuzuordnen – die Voraussetzung für den Wortschatzerwerb.
  • Auch für den Grammatikerwerb spielt die auditive Wahrnehmung bestimmter Betonungsmuster eine entscheidende Rolle, denn sie markieren Phrasen- und Satzgrenzen und ermöglichen den Erwerb erster grammatischer Regeln der Muttersprache.

Die auditive Wahrnehmung spielt demnach eine sehr entscheidende Rolle für die Sprachentwicklung. Einschränkungen führen dazu, dass der sprachliche Input nicht korrekt aufgenommen und verarbeitet werden kann. Dies hat zur Folge, dass es zu Schwierigkeiten im Sprachverständnis und bei der Sprachproduktion kommen kann.

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