Kognitive Voraussetzungen für den Spracherwerb

Sprachverarbeitungsprozesse können nicht als isoliert ablaufende Funktionen betrachtet werden. Sie sind in hohem Maße auch abhängig von kognitiven Mechanismen. Störungen kognitiver Funktionen bringen demnach auch sprachliche Probleme mit sich.

Diejenigen Regularitäten, die für die eigene Muttersprache spezifisch sind und die nicht in universeller Weise angeboren bzw. genetisch determiniert sind, müssen induktiv aus dem Sprachangebot abgeleitet werden, also der gesamte Wortschatz, Bereiche der Grammatik sowie der Lauterwerb.

Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muss ein Kind über viele spracherwerbsrelevante kognitiv-konzeptuelle Kompetenzen verfügen:

Sprache und Denken sind nicht immer einfach auseinanderzuhalten, denn es besteht oft eine enge Beziehung. So zum Beispiel bei der Beziehung zwischen Wort und Wortbedeutung. In der Regel werden sie synonym verwendet, obwohl dies so nicht korrekt ist: Dem Begriff liegt nämlich ein umfassendes, kognitives Konzept zu Grunde. Dieses – nicht sprachliche – Konzept beinhaltet, vereinfacht ausgedrückt, alles Wissen, das der Mensch über Objekte, Zustände, Handlungen, Erlebnisse und Erfahrungen bisher erworben hat. Das Wort ist demnach lediglich eine Bezeichnung für eine gedankliche Vorstellung, die sich im Rahmen der kognitiven Entwicklung herausbildet.

Auch ein leistungsfähiges Gedächtnissystem (Arbeitsgedächtnis, Langzeitgedächtnis etc.) bildet eine maßgebliche Voraussetzung für den Spracherwerb: Man konnte u.a. nachweisen, dass ein hoher Prozentsatz von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen auch Defizite in der Funktion des Arbeitsgedächtnisses aufweist.

Säuglinge nutzen zudem implizite, kognitive Lernmechanismen (z.Bsp. Imitation), um sprachliches Wissen aufzubauen.

Meilensteine der frühkindlichen kognitiven Entwicklung wie die Dezentrierung (Unterscheidung zwischen ICH und DU), die Objektpermanenz (Erkenntnis, dass Objekte auch noch existieren, wenn sie aus dem Sichtfeld verschwunden sind) und das symbolische Denken (Erkenntnis, dass ein Symbol / Zeichen für etwas Reales stehen kann) sind Voraussetzungen, vor allem aber auch Anlass, damit Sprache als Symbol- und Kommunikationssystem erworben werden kann.

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