Störungen der Grammatik:

Grammatische Fehler sind während der Sprachentwicklung ganz normal. Eine Störung des Grammatikerwerbs liegt erst dann vor, wenn bestimme grammatische Strukturen gar nicht erworben werden oder wenn Kinder außergewöhnlich viele Fehler in ihrer Grammatik aufweisen, im Vergleich zu Altersgenossen (Verzögerung um mehr als ein Jahr).

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht, um kompetent mit entsprechenden Erwerbsstörungen umzugehen, ist es bedeutsam, den Begriff Grammatik zu unterteilen und zwischen Wortgrammatik (= Morphologie) und Satzgrammatik (=Syntax) zu unterscheiden.

In der Morphologie geht es um einzelne Wörter: Wortarten, Flexionen (Numerus, Kasus, Deklination bzw. Konjugation bei Verben oder Komparation bei Adjektiven), Wortbildung (Wortbausteine, Zusammensetzungen etc.).

Bei der Syntax (=Satzbaulehre) geht es um formale Regeln, nach denen Wörter zu Phrasen (= Wortgruppen) oder Sätzen zusammengesetzt werden dürfen (z.Bsp. Verbstellungsregeln).

Störungen zeigen sich u.a. bereits dadurch, dass im Alter von 18 bis 24 Monaten die Zweiwortäußerungen ausbleiben und das Kind noch in der Einwortphase verharrt.
Hinter eine Störung der Grammatik können sich Defizite der auditiven Wahrnehmung sowie Hörstörungen verbergen.
Eine isolierte Grammatikstörung tritt allerdings sehr selten auf, in der Regel ist diese aber das Leitsymptom einer komplexen Sprachentwicklungsstörung.

Störungen der syntaktischen Ebene:

Leitsymptome sind:

  • Das Verb steht am Ende des Satzes anstatt an zweiter Stelle. Z.Bsp. So auf Boden fall. In Auto rein muss.
  • Es werden keine Fragesätze gebildet.
  • Die gebildeten Sätze sind sehr kurz und haben fast immer die gleiche Reihenfolge aus Subjekt-Prädikat-Objekt
  • Mit 3 Jahren bleibt die Bildung von Nebensätzen (mit wenn oder weil) aus.

Störungen auf morphologischer Ebene:

Leitsymptome:

  • Verben werden nicht dem Subjekt im Satz angepasst (= Subjekt-Verb-Kongruenz), sondern werden meist gar nicht oder falsch gebeugt. Z.Bsp.: Ich spielen Garten.
  • falsche Tempusbildung, z.Bsp.: Peter hat esst.
  • Kasus (Fall) wird oft falsch verwendet (außer Nominativ). Bsp.: Leg das Brot auf die Tisch.
  • teilweise auch falsche Verwendung des Genus (grammatikalischen Geschlechts) durch Übergeneraliserung eines Artikels für alle Genera oder Verwendung eines nicht bestimmbaren Artikels wie de. Bsp.: De Glas ist leer.
  • Fehlerhafte Pluralbildung (Mehrzahl), Bsp.: Buchs statt Bücher

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